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750 Jahre Stadtjubiläum Warstein – Tag der Stadtgeschichte

Am Freitag, den 12.06.2026 hatte die 9b gemeinsam mit ihren Klassenlehrerinnen Frau Koch und Frau Zschocke die Gelegenheit, an den Angeboten zum Tag der Stadtgeschichte in Warstein teilzunehmen. Von unserer Schule waren auch die 10a und die 10b von Herrn Diekmann und Frau Jindra an historischen Schauplätzen unterwegs.

Die 9b durfte sich die Bunkeranlage an der Hauptstraße und das Psychiatriemuseum ansehen und wurde an beiden Orten von professionellem Personal geführt. Dabei hat sie sehr viel interessante Dinge über die Geschichte der Stadt Warstein erfahren.

Geschichte und Bedeutung des Warsteiner Luftschutzbunker

Der Luftschutzbunker wurde in den Jahren 1941 bis 1943 während des Zweiten Weltkriegs errichtet und diente von 1941 bis 1945 als Schutzraum für die Bevölkerung. Der Bau erfolgte hauptsächlich durch Fremdarbeiter, die mit Schaufeln und Hämmern in aufwendiger Handarbeit tätig waren. Die Höhle entstand durch Sprengungen, wobei das herausgebrochene Gestein mit Pferdewagen abtransportiert und in Steinbrüchen abgeladen wurde. Warsteiner Bauern nahmen die dabei anfallenden Materialien mit, ohne für ihre Arbeit bezahlt zu werden.

Im Bunker herrschten selbst im Hochsommer Temperaturen von nur etwa 12 bis 15 °C. Die Menschen brachten bei Luftalarm ihre wichtigsten Habseligkeiten mit, darunter Koffer mit persönlichen Dokumenten wie Personalausweisen und Geburtsurkunden sowie Schutzmasken. Neben Schulklassen suchten auch andere Einwohner und ihre Haustiere Schutz im Bunker. Für die Versorgung in der Zeit des Alarms mussten die Menschen selbst sorgen. Wie man auf einem der vier Fotos erkennen kann, sind noch Gefäße dieser Zeit im Bunker erhalten geblieben. Herr Reinecke, der den Schülern die Geschichte vor Ort erläutert hat, erklärte uns auch das Warnsystem zur Zeit des Krieges:

Die Luftschutzzentrale in Arnsberg war eng mit der in Warstein verbunden und leitete alle wichtigen Informationen und Warnmeldungen weiter. Vor einem Angriff wurde zunächst Voralarm mit drei Tönen gegeben. Kurz vor dem Angriff ertönte eine Sirene für eine Minute mit auf- und abschwellendem Ton. Das Ende der Gefahr wurde durch einen einminütigen Dauerton signalisiert. Die letzte Meldung aus Arnsberg war ein fünf Minuten andauernder Panzeralarm.

Beim Betreten des Bunkers hatten Soldaten keinen Vorrang. Zuerst wurden Mütter mit ihren Kindern eingelassen, danach weitere Schutzsuchende. Andere erwachsene Personen, z. B. Soldaten kamen zuletzt hinein. Insgesamt bot der Bunker Platz für etwa 150 Personen. Die Beleuchtung im Inneren erfolgte ausschließlich durch Kerzen. Zudem war ein zusätzlicher Fluchtweg hinter dem Wasser geplant, dieser konnte jedoch nicht mehr fertiggestellt werden.

Im Bunker waren auch Dokumente der Zeit ausgestellt. Interessierte durften sich die Schriftstücke und Fotos anschauen und Herrn Reineke dazu Fragen stellen. Interessant war, dass etliche alteingesessene Warsteiner im Vortrag von Herrn Reineke namentlich nicht mehr erwähnt werden möchten, da man sich „hier eben doch kennt und die Nachfahren in der Stadt oder im Umland ungestört leben möchten“. Nach der Besichtigung des Bunkers war das Psychiatriemuseum in Warstein der nächste Anlaufpunkt unseres Ausfluges.

Die LWL-Klinik Warstein – Geschichte und  Entwicklung

Die LWL-Klinik Warstein ist eine der bedeutendsten psychiatrischen Einrichtungen in Westfalen. Heute bietet sie moderne psychiatrische, psychotherapeutische und psychosomatische Behandlungen an. Ihre Geschichte reicht jedoch bis in das frühe 20. Jahrhundert zurück und spiegelt die Entwicklung der Psychiatrie in Deutschland mit ihren Fortschritten, aber auch ihren dunkelsten Kapiteln wider.

Im Museum wurden wir von einem ehemaligen Mitarbeiter der Klinik empfangen, der uns sehr ausführlich über die Entstehungsgeschichte, den Gründer, den Aufbau der Klinik und den Umgang mit den psychisch Kranken informierte. Ein besonders dunkles Kapitel der Klinikgeschichte fällt in die Zeit des Nationalsozialismus. Nach dem „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ wurden zahlreiche Patientinnen und Patienten zwangssterilisiert. Während des Zweiten Weltkriegs wurden viele psychisch Kranke aus Warstein und Umgebung deportiert und im Rahmen des nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programms ermordet. Insgesamt fielen etwa 1.576 Patientinnen und Patienten diesem Verbrechen zum Opfer. Heute erinnert die Treise-Kapelle auf dem Klinikgelände an die Opfer. Seit den 1980er Jahren wird dort regelmäßig der Verstorbenen gedacht. Die Klinik
setzt sich aktiv mit ihrer Geschichte auseinander und fördert die Erinnerungskultur.

Bei der Führung durfte sich die 9b ein Behandlungszimmer aus der Klinikgeschichte der Vergangenheit ansehen, Medikamente waren in einem Glasschrank ausgestellt und auch ein Patientenzimmer mit ca. 8 Betten, dicht an dicht, wurde gezeigt. Sehr eindrucksvoll waren auch die Zwangsjacken, mit denen Patienten in der Badewanne festgeschnallt wurden und lange Bäder zur Beruhigung nehmen mussten.

Eine sehr interessante Führung, die aufgrund ihrer Fülle noch mal einen Ausflug wert ist.

(Artikel geschrieben von Jamilia Vogeler (9b) und Sofia Sliwa (9b), bearbeitet von A. Zschocke)